Der Musikpartisane

Wir sind Musik. Wir sind Legion. Wir sind du. Wir sind nicht anonym. Rechnet mit uns.

Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

“Ich habe immer versucht, in einem Elfenbeinturm zu leben; aber ein Meer von Scheiße schlägt an seine Mauern, genug, ihn zum Einsturz zu bringen.” – Gustave Flaubert an Ivan Turgenjev

Oder anders ausgedrückt: Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker vom sogenannten Qualitätsjournalismus! Hat irgendjemand von euch den Arsch gehabt, mal einen amtlichen Longread zum epischen Battle zwischen Youtube und GEMA rauszuhauen, ohne zum Erbrechen auf dem Wikidiotentum der GEMA-Besserwisser herumzureiten? Nein, ihr habt wie die FAZ eure Seiten piratischen Selbstlikern überlassen, die anstelle einer objektiver Analyse für ihren Wahlkampf trommeln. Ihr gebt Maulhuren ein Forum, die der Meinung sind, dass das illegale Herrunterladen einer amerikanischen Serie ein Menschenrecht sei. Ihr seid, wie der Stern, in der Diskurs-Disco bei jedem Resteficken dabei, wenn es darum geht, eure Page Impressions hochzutreiben. Ihr jazzt, wie die SZ, auch die letzte spazmodische Studie über Filesharing zum Heureka-Event auf, so lange ihr euren Lesern von Freetard-Island in den Arsch kriechen könnt. Was dem Internet sein Advice Animal ist, ist eurem Rudeljournalismus die Fotostrecke, mit der ihr eurem natürlichem Feind, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, so richtig in die Eier treten könnt. Und ihr verfickten Journalisten vom Handelsblatt und von der Bild wollt, dass ich mich für euer Leistungsschutzrecht einsetze? Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von den öffentlich-rechtlichen Sendern! Wie kommt eure geistig unterbewaffnete Pressestelle vom Bayerischen Rundfunk auf die Idee, die Tarifverhandlungen zwischen der GEMA und Sendern zum Fake-Vorwand zu nehmen, die Ausstrahlung der Space Night auf dem Minderheiten-Sender BR Alpha zu beenden? Siebenstellige GEMA-Zahlungen, wollt ihr mich verarschen? Hat irgendjemand von den Faktcheckern aus Journalismus und Blog-Kohorten mal hochgerechnet, wie irreal diese Zahl ist? Aber GEMA-Bashing ist ja sowas von gut, um auch den letzten DAU auf seine Seite zu ziehen. Dem Bayerische Rundfunk ist inzwischen aufgefallen, dass er die Sendung mit Repertoire fortsetzen kann, an dem er selbst die Rechte hält. Was verdeutscht heißt, dass Urhebern unter der Androhung, zukünftig keine weiteren Aufträge mehr zu erhalten, die Verlagsrechte abgeknöpft wurden, über die man nun die GEMA-Gebühren refundiert. Eine perfekte Win-Win-Situation: mit Hilfe der Internet-Kohorte erzeugt man den nötigen Shitstorm, um anschließend als gnädigen Akt den Urhebern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von der GEMA! Die öffentlich-rechtlichen Sender machen solche Deals mit Major-Verlagen, die bei euch GEMA-Mitglied sind und gegen eure eigene verfickte Satzung verstoßen. Man nennt das Zwangsinverlagnahme und wenn ihr mal einen Blick auf Paragraph 3 eurer Satzung werft, dann werdet ihr sehen, dass ihr eure eigenen Urheber verarscht. Aber den Verlagen pisst in der GEMA keiner ans Bein, nein, deren Vertreter sitzen sogar im Aufsichtsrat und drohen den Komponisten mit Abzug des internationalen Repertoires, falls sich jemand rührt. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von den Major-Labels! Ihr scheint sehr gut von der IT-Industrie gelernt zu haben, wie man online sein Geschäftsmodell aufzieht. Ihr habt euch 40% Anteile am neuen MySpace gesichert, um gleich als nächstes das Repertoire der Indie-Labels auf MySpace zum Freiwild zu erklären. Ihr scheinheiligen Arschkrapfen seid euch nicht zu schade, bei Grooveshark und Pirate Bay von den verletzten Rechten der Urheber zu fraseln, euch mit Youtube in ein Bett zu legen und bei Spotify die besten Deals zu ziehen, um dann im Falle von MySpace den Indie-Künstlern ins Gesicht zu pinkeln. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von Google! Was früher einmal Kultur genannt wurde, ist für euch nichts weiter als Content, den ihr mit Werbung versehen an eure User verschenkt. Und diese User sind so dankbar für euren großartigen Service, dass sie euch den Content (FKA Kultur) sogar frei Haus liefern. Eure Ware, euer Produkt, ist nicht der Content, den ihr frei zur Verfügung stellt, eure Ware ist der User, den ihr als Datenpaket an eure Werbekunden verkauft. So wird gespielt, wenn man das größte Musikarchiv der Welt aufbaut, ohne sich nur einen Deut für Kultur zu interessieren. Willkommen in der Welt von Youtube! Einer Welt, die vom stupid money der großen Mutter Google gegen jeden fairen Wettbewerb geschützt wird. Einer Welt, die so intransparent und monopolistisch ist, wie es sich jedes klassische Medienunternehmen selbst in seinen feuchtesten Träumen nicht vorstellen konnte. Einer Welt, die einen eigenen Markt schafft, dessen Bedingungen in Mountain View diktiert werden. Einen Markt, dessen Gewinne man fast vollständig an den europäischen Steuerbehörden vorbeischleust. Einen Markt, dessen Erlöse nach Gnaden Googles von den eigentlichen Kulturschaffenden tröpfchenweise mit der Petrischale  eingesammelt werden können. Wenn die sich dagegen wehren, wisst ihr, wie man groß aufspielt: man sperrt einfach die populärsten Musikvideos. Ihr habt es in England getan und die Künstler weichgekocht, und ihr versucht es in Deutschland, bis auch hier die Politik von den Bitjunkies geDDoSt wird. Ihr verdient also umgerechnet 0,5 Cent pro Stream an einem Video wie dem Gangnam-Clip von Psy, aber in Deutschland habt ihr der GEMA nicht mehr als 0,018 Cent angeboten. Das ist, was ich Wertschätzung für Kultur nenne. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker aus der sogenannten Netzgemeinde oder digitalen Gesellschaft oder wie ihr Netzmoral-Advokaten euch auch immer nennen wollt! Ihr psalmt von der Demokratisierung der Gesellschaft und predigt das Hohelied der Netzneutralität. Aber wenn euer Sugar Daddy Google zur politischen Ego-Kampagne auf seinen ach so neutralen Suchseiten aufruft, dann klickt ihr alle im Chor: “ich verteidige mein Netz!” Seit Jahren redet ihr von der neuen Netzökonomie und kriegt feuchte Hosen bei jedem neuen Geschäftsmodell, das irgendein Internetvisionär auf dem letzten TED-Talk gepitcht hat, um es dann als Buch drucken zu lassen und in teuren Seminaren als heißen Scheiß zu verkaufen. Euer Technologie-Triumphalismus ist so maßlos naiv, dass ihr gar nicht die Ausmaße des Epic Fails ermessen könnt, den die Ideologie vom freien Fluss der Informationen verursacht hat. Die Aktionäre des NASDAQ-100 lieben euch dafür. Aber irgendwann, wenn das letzte Kommentarfeld vollgekotzt, die letzte Anonymus-Maske bei Saturn ausverkauft und die letzte Filterblase zerplatzt ist, werdet ihr merken, dass ihr eure Katzenblogs nicht essen könnt. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von Musikern! Ihr habt keine Gelegenheit ausgelassen, euch zu entsolidarisieren, euch gegenseitig ausspielen zu lassen, euch vom Netzmob einschüchtern zu lassen. Ihr habt nicht den Arsch, für eure Sache einzustehen, aber seid die ersten mit eurem Mimimi, wenn es darum geht, eure wirtschaftliche Lage zu beklagen. Ihr basht die GEMA, haltet aber gerne die Hand auf, wenn die vierteljährliche Überweisung kommt. Ihr sagt die dümmsten Sachen, um euch eures Pseudo-Rebellentums zu versichern. Ihr schickt eure Abmahnanwälte los, während ihr in Castingshows den Kandidatinnen in den Ausschnitt glotzt. Lieber disst ihr andere Musikgenres als dass ihr merkt, wie ihr von Verwerterinteressen instrumentalisiert werdet. Ihr schnüffelt eher dem letzten Trend-Pfurz hinterher, um euch als Individualisten zu verkaufen, als dass ihr die Eier habt, euch für eure Rechte einzusetzen. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fick dich, du verfickter Ficker von Musikpartisane! Ich habe keine Lust mehr, dein Hafensängerlied zu singen. Time to say goodbye.

“Ich fühle eine heillose Barbarei aus dem Boden aufsteigen.- Ich hoffe, krepiert zu sein, bevor sie alles mit sich gerissen hat. Aber einstweilen ist es nicht lustig. Nie haben geistige Interessen weniger gezählt. Nie waren der Haß auf alles Große, die Geringschätzung des Schönen, der Abscheu vor der Literatur so offenkundig. Ich habe immer versucht, in einem Elfenbeinturm zu leben; aber ein Meer von Scheiße schlägt an seine Mauern, genug um ihn zum Einsturz zu bringen. Es geht nicht um Politik, sondern um den geistigen Zustand [Frankreichs] des Landes.” – Gustave Flaubert an Ivan Turgenjev

We promise, we deliver!

Der Musikpartisane hat sich eingepinkelt. Ja, mal ehrlich, bei den Neuigkeiten konnte er nicht mehr an sich halten: endlich ist es möglich, Musiker direkt mit einer Spende zu bezahlen! Keine Verwerter mehr im Weg, keine Labels und Verlage, die die Kohle nur in ihre eigenen Taschen stopfen. Du hörst Musik und das Geld fließt direkt an die Künstler. Und das geht so:

Zuerst braucht es einen knusprigen Musik-Streamingdienst. So Industrie-Sockenpuppen wie Spotify kommen gar nicht erst in Frage: an denen halten alle Major-Labels Anteile, und diesen Banditen wollen wir ja nicht unser Geld hinterher schmeißen. Also nehmen wir Grooveshark. Die haben gar nicht erst irgendwelche Deals mit der Musikmafia gemacht, sondern sich die Musik einfach genommen. Oder besser noch: den Upload ihren Usern überlassen (nachdem die Manager und Mitarbeiter von Grooveshark am Anfang selber einen Grundkatalog auf die Seite hochgeladen hatten). Das ist sehr geschickt, weil man sich so der lächerlichen Klagen der Content-Taliban entledigen kann: es ist ja nicht die Schuld von Grooveshark, dass all die illegale Musik auf der Plattform rumgammelt. Und wenn einer der Rechte-Dschihadisten eine Take-Down-Notice schickt und man mit tibetischer Latenz darauf reagiert, wird bestimmt ein fleißiger User die Lücke im Katalog flugs wieder schließen. Das macht man für ein paar Jahre, lässt sich Werbebanner neben der Musik königlich bezahlen, um die Server auf Betriebstemperatur zu halten, und wenn man sich dann irgendwann mit 35 Millionen Usern der weltweit größte Musik-Streamingdienst nennen darf, dann werden die Loser von der Musikindustrie schon angekrochen kommen, um an die Userdaten zu kommen. So Youtube-Style, you know? Und wenn solche Omegas wie Jeff Price von Tunecore rumheulen, dass die Honks von der Musikindustrie im Vergleich zu den Content-Cowboys von Grooveshark Heilige wären, dann muss man irgendetwas richtig gemacht haben. Alle vier Majors haben Grooveshark verklagt, und auch die Arschkrapfen von Facebook, Google und Apple haben die Grooveshark-Apps von ihren Diensten genommen. Sollte es also einen Ort im Netz geben, wo die Musik noch wirklich befreit ist, dann hier.

Als nächstes braucht es einen Online-Dienst, der unsere Spenden direkt an die Künstler weiterleitet. Einen Dienst, der Musik wirklich liebt. Wo wären wir da besser aufgehoben als bei Flattr, einem Dienst, der vom ehemaligen Pirate-Bay-Sprecher Peter Sunde ins Leben gerufen wurde. Peter Sunde ist über jeden Zweifel erhaben. Denn auch er hat verdammt viel Ärger mit der dunklen Macht der Copyright-Krieger. Gemeinsam mit Fredrik Neij, Gottfried Svartholm und Carl Lundström von The Pirate Bay wurde er in Schweden zu einem Jahr Gefängnis und einer Strafe in Millionenhöhe verurteilt (das Urteil ist noch nicht in Kraft getreten). Und warum das ganze? Weil Carl Lundström mehrere Nazi-Organisationen finanziell unterstützt hat neben seiner Anfangsinvestition in The Pirate Bay, ohne die das P2P-Netzwerk gar nicht erst entstanden wäre? Oder weil Peter Sunde über Firmen wie Random Media oder Eastpoint Media mehr als 100.000 € monatlich durch Werbebanner in die Kassen von The Pirate Bay dirigierte? Wohl kaum. Es ist der ausgestreckte Mittelfinger, den Peter Sunde der Musik-Camorra entgegen streckt, was ihn zum Ziel der Attacken macht. Sätze wie diesen, den er der BBC ins Mikro diktierte:

If I want it, I take it, ’cause I can. It might be [im]moral to some people but I think it’s up to me to decide.

Deswegen ist Peter Sunde über jeden Zweifel erhaben: er wird sich nicht dem Druck der Musikindustrie beugen und dafür kämpfen, dass Künstler direkt von ihren Fans bezahlt werden können. Darum hat er Flattr gegründet. Und darum arbeitet Flattr nun mit Grooveshark zusammen.

Die Idee ist so einfach wie genial: durch das “Listen and Flattr”-Feature in Grooveshark bekommt der Künstler bei jedem Abspielen seiner Tracks einen Obulus vom Flattr-Konto des Nutzers. Flattr behält 10% der Ausschüttungen für sich ein, 90% gehen direkt an den Künstler. Vergleicht man das mit den Beträge, die die Geldsäcke von den Labels üblicherweise einstecken, ist das ein Killer-Deal! Fragt sich nur, wie die Flattr-Spenden den Künstlern zugeordnet werden.

Hier kommt Musicbrainz ins Spiel: der Service ist ein ID-System für Musik und in diesem Fall die Brücke zwischen Grooveshark und Flattr. Musicbrainz ist so etwas wie ein Wikipedia für Musik. Und da man völlig unabhängig von den Kriegern der Musikindustrie sein will, hat man die Metabrainz Foundation gegründet, um das Projekt zu finanzieren. Google hat die Stiftung übrigens mit über 200.000 $ unterstützt – thumbs up nach Mountain View! Im Verwaltungsrat der Metabrainz Foundation sitzen ein paar alte kampferprobte Haudegen, die schon so einige Copyfights ausgefochten haben. Neben Carol Smith von Google schicken wir ein High Five an Cory Doctorow, der in seinem neuesten Roman “Pirate Cinema” so glasklar der Contentmafia in den Arsch tritt, dass selbst Weicheier wie Matthew Belinkie zur Gegenseite überlaufen. Und fehlen darf natürlich nicht unser Allmende-Godfather Lawrence Lessig, der auch hier für den freien Zugang zu Informationen kämpft.

Nun also, wo die eingepinkelte Hose des Musikpartisanen fast schon wieder trocken ist, bleibt nur eine Frage offen: was passiert mit all dem Geld, dass nicht einem Urheber zugeordnet werden kann, weil er oder sie keinen Flattr-Account hat? Auch dafür hat Flattr eine tolle Lösung: die ausstehenden flattrs werden gespeichert, bis sich die Musiker anmelden und ein Konto eröffnen. Das würde auch dem dahindümpelnden Service helfen, endlich auf die Beine zu kommen: Musiker aller Länder, meldet euch bei Flattr an, sonst geht euch Bares flöten! Und es würde darüber hinaus unserem Freund Peter Sunde helfen, seine anstehende Geldstrafe bezahlen zu können. Grooveshark, Flattr und Musicbrainz: hier wird Musik geliebt und der Musiker direkt bezahlt. No tricks, no magic! Das wissen auch die Jubelperser aus der deutschen Blogszene wie Martin Weigert oder Marcel Weiss, deren feuchte IT-Träume bei solchen Szenarien wahr werden.

Das nächste Mal wird der Musikpartisane übrigens seine Hose nass machen, wenn Kim Schmitz am 20. Januar 2013 sein neustes Projekt “Mega” vorstellen wird: ein Download-Service, der von keiner Musikindustrie der Welt mehr abgeschossen werden kann. Charles Graeber hat für Wired schon mal ein wenig darüber berichtet, was für ein Nice Guy der Kim Schmitz eigentlich ist. Das hat Herrn Kimble so gut gefallen, dass er es sogar auf seiner Seite verlinkt hat. We promise, we deliver. Take us to the next level, Kim!

Bist du Prosument, oder was?

Du bist es. Alleine an deinem Laptop. In jeder freien Sekunde auf der Suche nach Leuten, die deine Pussytronica interessant finden könnten. Du warst die Pest auf MySpace. Jetzt bist du die kalte Freundschaftsanfrage auf Facebook, die narzisstische Ich-Hupe auf Twitter, der Trend-Scheißer und Klick-Bettler, der nach den 7 goldenen Social-Media-Self-Promotion-Regeln lebt, jede Woche die Mailfächer zuspammt und für sein nächstes DJ-Set in irgendeiner verranzten Hipster-Galerie trommelt, in der besoffene Berlin-Touris ihr Bio-Bier auf seinen geliehenen MK2 ausschütten werden.

Du bist es: der Prosument. Schwer durchdrungen vom Gefühl deiner Bedeutsamkeit, abgefedert von staatlicher Alimente und Muttis monatlicher Überweisung, träumst du von einem Künstlerleben, das dir endlich die schon lang zustehende Anerkennung schenkt. Beseelt von dem Gefühl: „das kann ich ja auch“, hast du dich von der Demokratisierungs-Folklore der Netzutopisten aufstacheln lassen. Anstelle eines eigenen Gedankens ist bei dir alles schon gedacht, alles schon da gewesen, alles schon gelebt. Hast geglaubt, dass es keine Originalität gibt. Dass du etwas Neues aus Zitaten und Kopien zusammenschustern kannst. Du wolltest schon immer den kürzesten Weg gehen. Jetzt verstopft dein aufgewärmter Referenz-Scheiß und deine parasitäre Pseudo-Kreativität jede Timeline. Remix ist die neue Volkskunst und jeder ein Künstler. Ja, genau! Aber hast du dich schon mal gefragt, warum dein User Generated Content den langsamen Tod des Vergessens stirbt? Warum deine Garageband-Tracks im Long Tail von Soundcloud ungehört verhallen? Weil auch du die alte 90-9-1-Regel nicht außer Kraft setzen kannst. Weil das Netz ein noch viel konzentrierterer Ort ist als die schöne, alte Kohlenstoffwelt. The rich get richter ist nirgendwo wahrer als im Netz. Sieht so die digitale Emanzipation aus?

Du bist es, der Prosument, der das Netz mit seinen Mashups zusenft. Du bist es, der Kurator, der glaubt, sein unfehlbarer Geschmack wäre wichtiger als jedes Kunstwerk. Du bist es, der Amateur, der seine Ableton-Preset-Sounds als heißen Scheiß verkauft. Aber wir sind Profis. Wir machen das viel länger als du. Wir haben das gelernt. Und wenn wir das nicht gelernt haben, dann haben wir unser ganzes Leben damit verbracht, in dem gut zu werden, was wir machen. Wir sind gut, weil wir Talent haben. Wir sind gut, weil wir Ausdauer haben, weil wir Opfer gebracht haben. Wir haben jahrelang auf Flightcases gepennt und in Autobahnraststätten geduscht. Wir haben Tonleitern geübt, während du dich vor deinem Compi zugekifft hast. Und jetzt glaubst du Kellerkind, uns etwas über unser Business erzählen zu können?

Du bist es, der Prosument, der nützliche Idiot. Du kletterst die Partizipationsleiter herauf, um deinen Idolen ein Stückchen näher zu kommen. Auch du willst ein Publikum, einen Teil der Aufmerksamkeit, ein bisschen Anerkennung für dein Handwerk der Reproduktion. Es hilft, den Autor als widerkäuende Zitatmaschine zu denunzieren, das hält den Grützel in dir klein, der du in Wirklichkeit bist. Denn in Wirklichkeit produzierst du Datenmüll für Venture Capital aus Silicon Valley, das seinen Shareholder Value mit jeder deiner transformativen Werknutzungen in die Höhe treibt. Mit jedem Remix-Contest, an dem du teilnimmst, wirst du zu einem Teil der Medienindustrie, die du durch deine freiwillige Mitarbeit in ihrer Banalität nur verstärkst. Und mit jedem Upload von Fan Labor klingeln die Kassen der digitalen Infrastrukturanbieter, die nebenbei das Lied von der Innovationsfeindlichkeit der Urheberrechte singen, denn – schaut doch: es gibt genug Leute, die kostenlos Inhalte ohne monetäre Anreize verbreiten. Das ist sie also, die digitale Emanzipation: Laue Affirmation von Mainstream statt revoltierender Dissonanz. Bist du Prosument, oder was? Geh mal spielen!

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