Der Musikpartisane

Wir sind Musik. Wir sind Legion. Wir sind du. Wir sind nicht anonym. Rechnet mit uns.

Tag: Gema

Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

“Ich habe immer versucht, in einem Elfenbeinturm zu leben; aber ein Meer von Scheiße schlägt an seine Mauern, genug, ihn zum Einsturz zu bringen.” – Gustave Flaubert an Ivan Turgenjev

Oder anders ausgedrückt: Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker vom sogenannten Qualitätsjournalismus! Hat irgendjemand von euch den Arsch gehabt, mal einen amtlichen Longread zum epischen Battle zwischen Youtube und GEMA rauszuhauen, ohne zum Erbrechen auf dem Wikidiotentum der GEMA-Besserwisser herumzureiten? Nein, ihr habt wie die FAZ eure Seiten piratischen Selbstlikern überlassen, die anstelle einer objektiver Analyse für ihren Wahlkampf trommeln. Ihr gebt Maulhuren ein Forum, die der Meinung sind, dass das illegale Herrunterladen einer amerikanischen Serie ein Menschenrecht sei. Ihr seid, wie der Stern, in der Diskurs-Disco bei jedem Resteficken dabei, wenn es darum geht, eure Page Impressions hochzutreiben. Ihr jazzt, wie die SZ, auch die letzte spazmodische Studie über Filesharing zum Heureka-Event auf, so lange ihr euren Lesern von Freetard-Island in den Arsch kriechen könnt. Was dem Internet sein Advice Animal ist, ist eurem Rudeljournalismus die Fotostrecke, mit der ihr eurem natürlichem Feind, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, so richtig in die Eier treten könnt. Und ihr verfickten Journalisten vom Handelsblatt und von der Bild wollt, dass ich mich für euer Leistungsschutzrecht einsetze? Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von den öffentlich-rechtlichen Sendern! Wie kommt eure geistig unterbewaffnete Pressestelle vom Bayerischen Rundfunk auf die Idee, die Tarifverhandlungen zwischen der GEMA und Sendern zum Fake-Vorwand zu nehmen, die Ausstrahlung der Space Night auf dem Minderheiten-Sender BR Alpha zu beenden? Siebenstellige GEMA-Zahlungen, wollt ihr mich verarschen? Hat irgendjemand von den Faktcheckern aus Journalismus und Blog-Kohorten mal hochgerechnet, wie irreal diese Zahl ist? Aber GEMA-Bashing ist ja sowas von gut, um auch den letzten DAU auf seine Seite zu ziehen. Dem Bayerische Rundfunk ist inzwischen aufgefallen, dass er die Sendung mit Repertoire fortsetzen kann, an dem er selbst die Rechte hält. Was verdeutscht heißt, dass Urhebern unter der Androhung, zukünftig keine weiteren Aufträge mehr zu erhalten, die Verlagsrechte abgeknöpft wurden, über die man nun die GEMA-Gebühren refundiert. Eine perfekte Win-Win-Situation: mit Hilfe der Internet-Kohorte erzeugt man den nötigen Shitstorm, um anschließend als gnädigen Akt den Urhebern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von der GEMA! Die öffentlich-rechtlichen Sender machen solche Deals mit Major-Verlagen, die bei euch GEMA-Mitglied sind und gegen eure eigene verfickte Satzung verstoßen. Man nennt das Zwangsinverlagnahme und wenn ihr mal einen Blick auf Paragraph 3 eurer Satzung werft, dann werdet ihr sehen, dass ihr eure eigenen Urheber verarscht. Aber den Verlagen pisst in der GEMA keiner ans Bein, nein, deren Vertreter sitzen sogar im Aufsichtsrat und drohen den Komponisten mit Abzug des internationalen Repertoires, falls sich jemand rührt. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von den Major-Labels! Ihr scheint sehr gut von der IT-Industrie gelernt zu haben, wie man online sein Geschäftsmodell aufzieht. Ihr habt euch 40% Anteile am neuen MySpace gesichert, um gleich als nächstes das Repertoire der Indie-Labels auf MySpace zum Freiwild zu erklären. Ihr scheinheiligen Arschkrapfen seid euch nicht zu schade, bei Grooveshark und Pirate Bay von den verletzten Rechten der Urheber zu fraseln, euch mit Youtube in ein Bett zu legen und bei Spotify die besten Deals zu ziehen, um dann im Falle von MySpace den Indie-Künstlern ins Gesicht zu pinkeln. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von Google! Was früher einmal Kultur genannt wurde, ist für euch nichts weiter als Content, den ihr mit Werbung versehen an eure User verschenkt. Und diese User sind so dankbar für euren großartigen Service, dass sie euch den Content (FKA Kultur) sogar frei Haus liefern. Eure Ware, euer Produkt, ist nicht der Content, den ihr frei zur Verfügung stellt, eure Ware ist der User, den ihr als Datenpaket an eure Werbekunden verkauft. So wird gespielt, wenn man das größte Musikarchiv der Welt aufbaut, ohne sich nur einen Deut für Kultur zu interessieren. Willkommen in der Welt von Youtube! Einer Welt, die vom stupid money der großen Mutter Google gegen jeden fairen Wettbewerb geschützt wird. Einer Welt, die so intransparent und monopolistisch ist, wie es sich jedes klassische Medienunternehmen selbst in seinen feuchtesten Träumen nicht vorstellen konnte. Einer Welt, die einen eigenen Markt schafft, dessen Bedingungen in Mountain View diktiert werden. Einen Markt, dessen Gewinne man fast vollständig an den europäischen Steuerbehörden vorbeischleust. Einen Markt, dessen Erlöse nach Gnaden Googles von den eigentlichen Kulturschaffenden tröpfchenweise mit der Petrischale  eingesammelt werden können. Wenn die sich dagegen wehren, wisst ihr, wie man groß aufspielt: man sperrt einfach die populärsten Musikvideos. Ihr habt es in England getan und die Künstler weichgekocht, und ihr versucht es in Deutschland, bis auch hier die Politik von den Bitjunkies geDDoSt wird. Ihr verdient also umgerechnet 0,5 Cent pro Stream an einem Video wie dem Gangnam-Clip von Psy, aber in Deutschland habt ihr der GEMA nicht mehr als 0,018 Cent angeboten. Das ist, was ich Wertschätzung für Kultur nenne. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker aus der sogenannten Netzgemeinde oder digitalen Gesellschaft oder wie ihr Netzmoral-Advokaten euch auch immer nennen wollt! Ihr psalmt von der Demokratisierung der Gesellschaft und predigt das Hohelied der Netzneutralität. Aber wenn euer Sugar Daddy Google zur politischen Ego-Kampagne auf seinen ach so neutralen Suchseiten aufruft, dann klickt ihr alle im Chor: “ich verteidige mein Netz!” Seit Jahren redet ihr von der neuen Netzökonomie und kriegt feuchte Hosen bei jedem neuen Geschäftsmodell, das irgendein Internetvisionär auf dem letzten TED-Talk gepitcht hat, um es dann als Buch drucken zu lassen und in teuren Seminaren als heißen Scheiß zu verkaufen. Euer Technologie-Triumphalismus ist so maßlos naiv, dass ihr gar nicht die Ausmaße des Epic Fails ermessen könnt, den die Ideologie vom freien Fluss der Informationen verursacht hat. Die Aktionäre des NASDAQ-100 lieben euch dafür. Aber irgendwann, wenn das letzte Kommentarfeld vollgekotzt, die letzte Anonymus-Maske bei Saturn ausverkauft und die letzte Filterblase zerplatzt ist, werdet ihr merken, dass ihr eure Katzenblogs nicht essen könnt. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fickt euch, ihr verfickten Ficker von Musikern! Ihr habt keine Gelegenheit ausgelassen, euch zu entsolidarisieren, euch gegenseitig ausspielen zu lassen, euch vom Netzmob einschüchtern zu lassen. Ihr habt nicht den Arsch, für eure Sache einzustehen, aber seid die ersten mit eurem Mimimi, wenn es darum geht, eure wirtschaftliche Lage zu beklagen. Ihr basht die GEMA, haltet aber gerne die Hand auf, wenn die vierteljährliche Überweisung kommt. Ihr sagt die dümmsten Sachen, um euch eures Pseudo-Rebellentums zu versichern. Ihr schickt eure Abmahnanwälte los, während ihr in Castingshows den Kandidatinnen in den Ausschnitt glotzt. Lieber disst ihr andere Musikgenres als dass ihr merkt, wie ihr von Verwerterinteressen instrumentalisiert werdet. Ihr schnüffelt eher dem letzten Trend-Pfurz hinterher, um euch als Individualisten zu verkaufen, als dass ihr die Eier habt, euch für eure Rechte einzusetzen. Fickt euch, ihr verfickten Ficker!

Fick dich, du verfickter Ficker von Musikpartisane! Ich habe keine Lust mehr, dein Hafensängerlied zu singen. Time to say goodbye.

“Ich fühle eine heillose Barbarei aus dem Boden aufsteigen.- Ich hoffe, krepiert zu sein, bevor sie alles mit sich gerissen hat. Aber einstweilen ist es nicht lustig. Nie haben geistige Interessen weniger gezählt. Nie waren der Haß auf alles Große, die Geringschätzung des Schönen, der Abscheu vor der Literatur so offenkundig. Ich habe immer versucht, in einem Elfenbeinturm zu leben; aber ein Meer von Scheiße schlägt an seine Mauern, genug um ihn zum Einsturz zu bringen. Es geht nicht um Politik, sondern um den geistigen Zustand [Frankreichs] des Landes.” – Gustave Flaubert an Ivan Turgenjev

Hey GEMA!

Hey GEMA, hier spricht Christian Freiherr von Stetten. Ich hatte Euch ja schon im Juni gewarnt, mit Eurer unsäglichen Tarifreform endlich Schluss zu machen. Aber da Ihr die Frechheit hattet, euch mit dem Bund Deutscher Karneval zu einigen und damit meine Buddies im DEHOGA unnötig unter Druck zu setzen, sag ich es Euch noch mal ganz unmissverständlich: wenn Ihr Eure mafiösen Methoden nicht ändert, werden wir gesetzgeberisch tätig werden! Damit Ihr mich richtig versteht: mit Mafia kenne ich mich aus, ich hab ein paar Homies im Berliner Mhallami-Clan auf meiner Seite, mit denen ich auch manchmal Geschäfte mache. Und in Urheberrechtsachen berät mich Bushido, der sich da gut auskennt. Überhaupt: an Bushido solltet Ihr Euch mal ein Beispiel nehmen, wie man mit ehrlicher Arbeit zum Millionär wird. Und das trotz Urheberrechte! Wie oft wurde er verklagt von irgendwelchen Bands, die erst durch ihn richtig bekannt wurden: Arcana, Lacrimosa, Sopor Aeternus, Yoko Kanno, Dark Sanctuary – mal ehrlich, wer hat diese ganzen Vampir-Bands vorher gekannt. Heute leben sie von den Tantiemen, die Bushido ihnen auf ihr Konto spült. Und er geht leer aus. Verständlich, dass man die entstanden Verluste mit Abmahnungen auszugleichen versucht. Aber auch da hat Bushido bewiesen, wie sozial er denkt: allen Abgemahnten bot er einen Rabatt an. Daran könnte sich die GEMA mit ihrer asozialen Tarifreform mal ein Beispiel nehmen!

Junge Unternehmer wie Bushido gehören in die Politik. Mit ihnen können wir die miefigen Amtsstuben der Verwertungsgesellschaften durchlüften und dem Urheberrechtswahnsinn ein Ende bereiten. Deswegen setzen wir von der CDU uns für transformative Werknutzungen ein: damit junge Unternehmer wie Bushido nicht weiterhin in ihrer Kreativität durch steinzeitliche Urheberrechtsgesetze behindert werden. Bushido hat jetzt sein erstes Praktikum im Bundestag absolviert und ich muss sagen: er hat sich großartig geschlagen! Vielleicht kann ich ihm als nächstes ein Praktikum bei Allianz Global Investors verschaffen, wo er dann seinen finanziellen Spürsinn schärfen kann – immerhin verfügen wir über eine Bilanzsumme von 3665 Milliarden Euro. Ich bin da im Aufsichtsrat, ich weiß, wovon ich spreche. Ich gebe zu, Bushido hat einen nicht ganz so guten Ruf wegen seiner kriminellen Vergangenheit, aber: hey, ich habe mit meiner Eventfirma auch ein paar Deals mit seinen Clan-Freunden gemacht, die sich in Kreuzberg immer in der Katzbachstr. treffen und ich muss sagen, das sind schon ganz korrekte Geschäftsleute. Adnan vor allem, ein guter Kumpel von Bushido. Der ist zwar vorbestraft, aber das mit der Geldwäsche mit Hilfe von ein paar Paletten Energydrinks hat immer gut funktioniert. Mal ganz ehrlich: was sind schon 37000 Euro? Und diesen linken Zecken von Spiegel TV, die uns die ganze Zeit nachstellen, werden wir auch noch eins einschenken. Meine Bros in Baden-Würtenberg haben schon mal angesagt, wo es eine hingibt, wenn die so weitermachen. Respekt!

Überhaupt Baden-Würtenberg: unser Nachwuchs von der Jungen Union vor Ort hat es auf den Punkt gebracht mit ihrer tollen Hey-GEMA-Kampagne und Euch als genau das bloßgestellt, was Ihr wirklich seid: schmierige Schutzgeld-Erpresser! Übrigens großartiges Casting im Anti-GEMA-Video: der hakennasige GEMA-Geldeintreiber war ein richtiger Popcorn-Moment! Hat meine Atzen vom Mhallami-Clan an “Tal der Wölfe” erinnert – ich meine: Amerika hat Goldman-Sachs, Deutschland die GEMA, oder? Und wenn Ihr GEMA-Verteidiger nicht endlich aufhört, die Facebook-Page der Hey-GEMA-Kampagne mit Euren Hass-Kommentaren zuzuspammen, werden wir Euch alle doxxen und ich werde Euch meine Homeboys aus Berlin vor die Tür schicken!

GEMAlicious: Eure Diskos sind unsere Tarife!

Der Musikpartisane ist wütend. So was von. Die Ninja-Looter von GEMA und DEHOGA – geschenkt. Ihr Künstler seid das Problem. Ihr seid die Lowbobs in einem Spiel, das zu groß für euch ist. Weil ihr es nicht strahlen werdet. Und wenn ihr es strahlt, habt ihr aufgehört, Künstler zu sein. Dann seid ihr Statistiker, Tarif-Versteher, Aufsichtsrat-Wähler. Darum bekämpft ihr das System. Oder geht euren Weg durch die Institutionen. Am Ende bleibt ihr nützliche Idioten. Knechte mit der Hoffnung auf ein bisschen Fame.

Der Musikpartisane ist wütend. Weil der Bundesverband der Musikveranstalter und die GEMA keinen vernünftigen Tarifstreit austragen können. Player versus Player. Seine Forderungen auf den Tisch legen und sich in der Mitte treffen. Aber der Bundesverband der Musikveranstalter, der vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA dominiert wird, will größer spielen. Es geht um neue Tarife für Tanzveranstaltungen. Die GEMA wurde lange für ihr undurchsichtiges Tarifsystem kritisiert. Kein Veranstalter blickte durch. Die größeren Diskotheken, die im DEHOGA organisiert waren, haben Rabatte bekommen, wussten, wie sie sich die günstigsten Tarife holen. Die Gimps unter den Diskothekenbetreibern zahlten teilweise Tausende Euro zu viel. Jetzt soll alles gerechter werden. Tariflinearisierung in GEMAspeak. Angeblich wurde 5 Jahre darüber geredet, Anfang 2012 legte die GEMA ihren jetzigen Vorschlag auf den Tisch, im März stieg der DEHOGA aus den Verhandlungen aus.

Der Musikpartisane ist wütend. Weil der DEHOGA ein Bitchmover ist. Remember: 7% Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen von der FDP als Wahlkampfgeschenk 2009? Nur um mal die Relationen klar zu kriegen: der DEHOGA repräsentiert Gastgewerbe mit einem Nettojahresumsatz von 65,3 Milliarden Euro. Die GEMA nahm über ihre Bezirksdirektionen 2011 etwas mehr als 300 Millionen Euro ein, wovon nur ein kleiner Anteil aus der Gastgewerbe- und Hotelbranche generiert wurde. Aber der DEHOGA muss ja was für sein Image tun, sind doch die Mitgliedsbeiträge hoch und die Vergabe von Hotelsternen so unsexy, dass man mit einem Deathmatch gegen die GEMA auch mal bei den Diskothekenbetreibern punkten kann. Die Sympathien der Öffentlichkeit sind dem DEHOGA garantiert, denn das Image der GEMA ist ja schon seit langem wie Arsch und Friedrich. Politiker werden bearbeitet, die Kunstrasenbewegung unter dem Motto “Kultur Retten” ausgerollt, von Großveranstaltern Petitionen verfasst und frisch geturft springt die Berliner Club-Szene der Protestfront bei und ruft  zur Demo gegen “GEMAinheiten” auf anlässlich des Mitgliederfestes der GEMA im Berliner Frannz-Club.

Der Musikpartisane ist noch wütender, seitdem er versucht hat, seine eigenen Tarifberechnungen anzustellen. In der SZ schreibt Jens-Christian Rabe, dass er mit dem Tarifrechner der GEMA auf eine Steigerung von 500% für einen mittleren Club kommt. Fair enough, befragen wir also den Tarifrechner der GEMA. Zuerst der alte Tarif M-U (III 1c): wir geben in den Online Rechner eine Diskothek mit einer Fläche von 300 qm und einer Tanzfläche ein, in der überwiegend Tonträger gespielt werden und gehen von 16 Veranstaltungstagen im Monat aus. Der Rechner spuckt einen Betrag von 6.708,91 € bei einem Jahresvertrag aus, der sogar noch bei Mitgliedschaft bei einem Vertragspartner (etwa der DEHOGA) einen Nachlass erfahren könnte. Das ist um einiges weniger als die 8.000 bis 10.000 € jährlich, von der die SZ schreibt. However, der neue Tarif für einen Diskothekenbesitzer ab nächsten Jahr heißt M-V und gilt für “Unterhaltungs- und Tanzmusik mit Tonträgerwiedergabe mit Veranstaltungscharakter”, wie hier von der GEMA angekündigt. Aber warte: momentan gibt es einen Tarifrechner nur für den Tarif U-V, der für “Aufführungen mit Unterhaltungs- und Tanzmusik mit Musikern” gilt, also eben nicht für Diskotheken (für den Tarif M-V ist ein Tarifrechner angekündigt). Nun ja, ein Blick in die Tabellen der beiden Tarife U-V und M-V verrät, dass die Vergütungssätze eigentlich identisch sind, also schmeißen wir den falschen Tarifrechner an. Bei 300 qm und einem Eintrittspreis von 10 € kommen wir auf eine Vergütung von 321,00 € pro Abend. Macht 5.136 € im Monat und 61.632 € im Jahr. Muthafukka! Wieviel Prozent sind das denn jetzt, fast 1000? Arbeitet man sich durch das Datenblatt zum Tarif M-V, stößt man auf einen Nachlass von 10% bei Abschluss eines Jahresvertrages, aber auch auf die Keule von 50% Aufschlag bei einer Veranstaltungslänge von mehr als 5 Stunden, was wohl auf die meisten Diskos zutreffen dürfte. Der Musikpartisane hat an dieser Stelle schon längst aufgehört, seinen Tarif bis zum Ende durch zu rechnen.

Und genau darum seid ihr die Lowbobs in diesem Spiel, ihr Künstler. Denn wenn ihr GEMA-Mitglieder seid und stolz sagen wollt: “Wir sind die GEMA!”, dann müsst ihr erst einmal zum Tarif-Versteher werden und den Widerspruch erklären, warum für den genannten Club laut GEMA angeblich keine oder nur eine geringe Gebührenerhöhung anfällt, aber ein dazu auch noch falscher Tarifrechner exorbitante Steigerungen ermittelt. Ihr werdet euch Stockholm-artig vor die GEMA werfen und ganz zu Recht sagen, dass das doch erst ein Tarifvorschlag ist, der jetzt bei der Schiedsstelle des Patentamts liegt, dass es auch hier wieder Rabatte und Verbandsnachlässe geben wird, dass Härtefallnachlassregelungen bestehen und nach neuerlichen Verhandlungen alles nicht so schlimm sein wird. Eure Freunde werden euch in der Zwischenzeit mit weiteren “ungerechten” Einzelfällen belagern, die ihr zu verdeutschen versucht. Ihr werdet Tage damit verbringen, über die GEMA-Vermutung zu spekulieren, über die Tarifierung von Kleinveranstaltungen, DJ-Titellisten, Blackboxen in Diskos, statistischen Mittelwerten von Besucherzahlen und der Scheiß Öffentlichkeitsarbeit der GEMA. Während die anderen feiern, lernt ihr Tarife, schreibt in Foren und betreibt die Außenkommunikation, die eigentlich die GEMA erledigen müsste. Ihr versucht der Welt zu erklären, was selbst ein Journalist der SZ nicht strahlt. Nur die GEMA lässt euch damit alleine, denn für die GEMA besteht Kommunikation in Politbüro-artigen Pressekonferenzen oder PR-Desastern wie dem Interview der GEMA-Sprecherin Gaby Schilcher mit der Berliner Zeitung. Die GEMA wird hölzerne Pressemitteilungen auf ihrer Webseite veröffentlichen, dumme Plakate kleben lassen und Tarifrechner online stellen, die gegen sie verwendet werden können. Oder sie wird einen der Künstler aus dem Aufsichtsrat an die PR-Front schicken, um den protestierenden Clubbern draußen vor eurem piefigem Mitgliederfest zu zeigen, was für ein cool-lässiger Verein ihr eigentlich seid. So sexy Leute wie Klaus Doldinger oder Frank Dostal, dem der Machthunger aus der Nase wächst. Oder Tobias Künzel von den Prinzen, der im Fernsehen schon mal darüber lamentiert, dass es ihn nervt online zu sein.

Aber ihr seit ja Aufsichtsrats-Wähler. Ihr könnt es ändern, in dem ihr undissbare Leute aus euren Reihen in den Aufsichtsrat wählt. Was sich bei der letzten Mitgliederversammlung auch eindeutig manifestierte: Der Aufsichtsrat der GEMA kam vor der Neuwahl im Juni 2012 ohne Stellvertreter auf ein Durchschnittsalter von 58,94 Jahren, das durch die Wahl des 73jährigen Komponisten Hartmut Westphal, der den weitaus jüngeren Christian Wilckens ersetzt, auf 60,54 Jahre stieg. Nimmt man die Stellvertreter hinzu, wird das Durchschnittsalter nur durch die Newcomerin Julia Neigel auf 60,20 Jahre nach unten korrigiert. Holy Moly! Mit dieser Mannschaft glühen die CPUs auf dem Weg in die digitale Zukunft. Versteht mich nicht falsch: Der Musikpartisane kotzt, wenn er die falsche Propaganda von der Bohlensteuer liest, wonach 5% der reichen stimmberechtigten Mitglieder angeblich den Kuchen der Gesamteinnahmen unter sich aufteilen. Der Musikpartisane kotzt aber auch, wenn er sich sagen lässt, dass man sich erst einmal 10 oder 15 Jahre durch die Gremien der GEMA glattschleifen lassen muss, um sich überhaupt für einen Posten im Aufsichtsrat zu qualifizieren. Das Regelwerk der GEMA ist ja so komplex, dass es den langen Gang durch die Institution bedarf. Am Ende scheißt diese Institution dann Egotaktiker wie den Schlagertexter Frank Dostal aus, der – wie man hört – gerne mal Anträge von seiner Textdichterkurie ablehnen lässt, die den von allen Komponisten wohl am schlechtesten gestellten jungen E-Musik-Komponisten zu gute kommen sollen. Oder Werbe- und Filmmusik-Komponisten, die sich nicht zu schade sind, sich in Partisanenkriegen um ihre Pfründe zu bekämpfen. Oder Filmmusik-Komponisten, die nicht die Eier haben, innerhalb der GEMA mal die werten Verleger zu dissen, die gegen die eigene Satzung der GEMA verstoßen, in dem sie weiterhin die sogenannte Zwangsinverlagnahme praktizieren. Aber da sitzen die Tarif-Versteher unter den Komponisten, vielleicht ein paar Hundert von 2400 ordentlichen Mitgliedern, eingekeilt von einer Handvoll von Textdichtern, die rumweinen, weil sie mehr Respekt wollen, und einer gefühlten Überzahl von Verlegern, von denen bei 520 ordentlichen Mitgliedern scheinbar fast alle treu aufgeschlagen sind, um für ihre Verwerterrechte zu kämpfen – sprich: weiterhin 40% Verlagsanteile an euren Verwertungsrechten zu kassieren und dafür bis auf wenige Ausnahmen so gut wie nichts zu tun.

Ihr seid die Lowbobs. Und der große Rest der GEMA-Mitglieder, denen Tarife völlig rille sind, wird nie zu einer Mitgliederversammlung gehen. Sie werden weiter Musik machen und ihre Tantiemen kassieren. Und sie werden nur unter vorgehaltener Hand sagen, dass sie Mitglied der GEMA sind. Und weil nur Tarif-Versteher und Aufsichtsrat-Wähler zur Mitgliederversammlung gehen, wird die PR der GEMA so scheiße bleiben wie sie ist. Darum wird der Aufsichtsrat so alt bleiben. Und darum wird die öffentliche Wahrnehmung der GEMA so desaströs bleiben.

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