Dialog in Zeiten scheibenwischender ADHS-Kultur

von dermusikpartisane

Aus dem nichtlinearen, asynchronen Bewusstseinsstrom von Christopher Lauer während des Urheberrechtsdialogs der Piraten mit der Gema am 6. Juni 2012 (Video-Aufzeichnung ganz unten):

Okay, 2 Stunden mit den Bürokraten von der Gema diskutieren, hoffentlich halte ich das durch. Ritalin wirkt vielleicht noch für ne Dreiviertelstunde, mal sehen. Retweet:

Bruno hört sich ja auch immer gerne quatschen, naja… Jetzt dieser Gema-Typ über das Pro-Verfahren für Live-Veranstaltungen. Strahlt das jemand?

Gema-Typ: „Das Pro-Verfahren dient dazu zu ermitteln, wer bekommt was aus dem Topf. Und das Wort Topf ist hier das entscheidende: was wir im Moment haben, ist bei Veranstaltungen von einem Inkasso unter 700 Euro den reinen Sozialismus, wenn Sie so wollen…“

Ich hab da mal ne Idee. Jetzt textet aber erst mal die Gema-Tussi den ganzen Raum voll…

Gema-Tussi: „Es geht also nun darum, einen Bezug herzustellen zwischen Ausschüttung und dem Ertrag, den ein Werk oder eine Veranstaltung einspielt bei der Gema. Daran orientiert gibt es zwei verschiedene Arten der Grundabrechnung in INKA, die eine ist eine eher kollektive Abrechnung, die andere eine eher individuelle…“

Boah, ist das langweilig. Ah, was haben wir da, Schlömer im Zeitinterview! Retweet:

Okay, jetzt bin ich dran, jetzt werde ich die mal grillen. Die Gema ist doch voll der Fisch, wenn’s um digitale Technik geht – man hört ja immer, dass man da seine Livetracks immer noch per Hand in Papierbögen eintragen muss. Auf meinem IPhone habe ich ne App, die heißt Shazam und ich möchte gerne mal von den Gema-Leuten wissen, ob die so etwas überhaupt kennen und beabsichtigen, in absehbarer Zeit einzuführen.

Gema-Typ: „Diese technische Komponente war ja im Streit mit Youtube ein Thema, und Youtube hat offen gesagt, dass sie selber keine Programme zum Melodienerkennen haben, mit der Folge, dass sie den ganzen User-Generated-Content nicht auf Musik hin kontrollieren können. Was die Nutzung derartiger Verfahren angeht: ja, wir machen das, sobald das mit hinreichender Sicherheit funktioniert und wir schauen uns das routinemäßig an, wir haben jedes Jahr mindestens einen Anbieter da, mit dem wir auch eine längere Versuchs- und Testphase machen um zu evaluieren, was heraus kommt…“

Ich kann diesen Typen nicht ausstehen, dieses bürokratische Rumgelaber. Also wenn ich als Künstler bei der Gema wäre, würde ich mich durch diese Typen nicht vertreten lassen wollen. Die sollten vor allem mal mehr demokratische Strukturen schaffen, da können die sich was von uns abschauen.

Jetzt wieder die Gema-Tussi, ist hier wohl eher für die großen Zusammenhänge zuständig…

Gema-Tussi: „Ich möchte an dieser Stelle mal ganz grundsätzlich um Verständnis werben: alles was wir tun, an Präzision, an Ideallösungen, ist alles in unserem Sinne erstrebenswert. Auch wir würden gerne auch wir würden gerne ganz genau abrechnen, die kleinstteilige Einzelabrechnung ermöglichen, wir sind aber Treuhänderin der Gelder, die wir einnehmen…“

Ah, was meint denn Jan jetzt mit dieser Frage?

Oh Mann, der Gema-Typ schiebt inzwischen wieder seine Kassette rein…

Gema Typ: „Unabhängig davon ist der Gedanke, der dem zugrunde liegt der, dass die Gema und die Verwertungsgesellschaften verpflichtet sind, jeden, der Mitglied werden will, auch aufzunehmen…“

Ah, LSMüller zur Steuererklärung – Retweet:

Hihi, geiles Foto von Lotterleben – Retweet:

Smexy – Retweet:

Jau, Springer-Verlage erklären ihren Lesern, wie man alles im Netz kopiert, wollen aber das Leistungsschutzrecht einführen -Retweet:

Oweia, Stefan ist bei der DPA:

Wow wow, was ist das denn für ein geiler Tweet von Jim Carrey – Retweet:

Häh, wie kommt denn Robert darauf, das Manager-Magazin zu retweeten?

Könnte ein interessanter Artikel sein – Retweet:

Wo waren wir jetzt in der Diskussion? Für mich ist die Gema ja ein Auslaufmodell, ich bin da recht entspannt. Okay, das muss jetzt noch mal in die Diskussion rein, hab ich neulich schon im Interview mit der Debug gesagt: Warum gibt es eigentlich kein Gematube? Die Gema kann das doch selber aufziehen, ein Youtube für Musik, oder? Dann haben wir diese ganzen Probleme mit Youtube nicht mehr.

Gema-Typ: „Dazu müssen Sie die gesetzliche Lage berücksichtigen. Erstens als Treuhänder können wir so etwas wie Youtube nicht selber gründen, die finanziellen Risiken, wenn es kaputt geht, kostet die Gelder unserer Mitglieder. Und zweitens sind uns die Rechte nur zur Weitergabe an Dritte übertragen…“

Bla, bla, bla:

Hehe, Peter Glaser hat hier noch gefehlt – Retweet:

Moment mal, was ist denn da im Hauptausschuss los? – Retweet:

Auch interessant – Retweet:

Könnte ja für jemanden interessant sein – Retweet:

Is mir rille, hehe – Retweet:

Jetzt kommt der dritte Gematyp auch mal zu Wort, ziemlich unsympathischer Fettsack:

Der Gema-Tpy: „Die Bundesvereinigung der Musikveranstalter, die sehr heterogen ist, besteht aus dem DEHOGA, dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband, besteht aus dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels und aus dem deutschen Tanzlehrerverband, also eine sehr umtriebige Vermischung, ein Verband der Verbände, sah sich zuletzt 2010 nicht in der Lage, mit uns über einen konkreten Tarifvorschlag zu sprechen und zu verhandeln…“

Hihi, Betreuungsgeld für Hunde und Katzen – Retweet:

Auch nicht schlecht – Retweet:

Ah der André…

Moment, bevor hier die ganze Runde zu Ende geht, muss ich mal ein bisschen auf den Putz hauen, das ist ja alles viel zu nett hier, lasst mich das Ganze mal zusammenfassen:

Das ist mir wieder komplett egal, woran das gescheitert ist. Weil es am Ende des Tages auch niemanden wirklich interessiert, woran das gescheitert ist.

(…)

Das bringt nichts. Ich kann Ihnen nur sagen, politisch wird das so aussehen, dass natürlich auch die Piraten in Berlin alles in Bewegung setzen werden, dass solch eine Tarifreform nicht kommt. Wenn selbst schon der Gaststätten- und Hotelbetreiberverband DEHOGA irgendwie sagt, dass führt zu einem massiven Attraktivitätsverlust der Stadt Berlin, weil diese ganzen Clubs zumachen, dass führt dazu, dass es Einbußen gibt sowohl bei Hotels als auch bei diesen Clubs, und wir reden darüber als erwachsene Menschen, die alle mal irgendwie ein Studium absolviert haben oder es zumindest mal versucht haben, wir reden hier darüber auf der einen Seite, da sollen Rechte wahrgenommen werden, und wir reden dann darüber, dass hier eine Regelung getroffen werden soll, die genau das Gegenteil davon bewirkt, wofür Ihr Verein da ist, da muss ich sagen: soviel kognitive Dissonanz ertrage ich an der Stelle nicht mehr. Das soll keine Beleidigung sein – nochmal, es ist einfach so, ich weiß nicht, da muss jetzt vielleicht jemand anderes kommen und eine Verwertungsgesellschaft gründen, die dann ein attraktiveres Angebot an seine Mitglieder hat als die Gema, aber so kommt man an dieser Stelle nicht zusammen.

Ich hoffe, das hat gesessen. In diesem ganzen Gema-Scheiß haben wir eh keine Aktien drinne. Die C3S muss die Gema so schnell wie möglich am besten gleich ablösen, dann brauchen wir uns das Gesülze von diesen Gestrigen nicht mehr länger anhören.

(Alle Tweets von Christopher Lauer während des zweistündigen Gesprächs mit den Gema-Vertretern aus der Timeline von @Schmidtlepp entnommen)