Bruno Kramm, warum bist du eigentlich bei einem Major-Verlag?

von dermusikpartisane

Bruno, ich finde es toll, wie du dich gegen die Contentmafia der Gema und der Musikindustrie ins Zeug legst. Wie du Creative Commons und Crowdfunding propagierst und in die Öffentlichkeit trägst. Das du jetzt online auch für die FAZ schreibst, ist nur die logische Konsequenz. Deine neue Kolumne „Kramms Hits“ ist ein feine Sache: es wissen noch viel zu wenige, dass man im Netz auch legal Musik erhalten kann, alles ganz ohne Gema, wie du schön über deine Kolumne schreibst:

Sie präsentiert alle vierzehn Tage fünf legal erhältliche Musiktitel aus dem Internet. Und sie zeigt: Es geht auch ohne Gema.

Bruno, deswegen habe ich mich auch sehr auf die zweite Folge deiner Hits gefreut, die heute erschien. Ich wollte nur sagen, dass dir da ein paar Fehler unterlaufen sind. Du hast als „Urheberrechtsbeauftragter“ der Piraten natürlich viel zu tun, daher blieb dir sicherlich wenig Zeit, all deine „Hits“ auf Verunreinigungen durch Verwertungsgesellschaften oder Major-Labels hin zu überprüfen. Nur soviel: Amanda Palmer ist Mitglied der Verwertungsgesellschaft ASCAP (dem amerikanischen Pendant der Gema), genauso wie Zoe Keating, die du in der ersten Folge deiner „Hits“ empfohlen hast. Jay Fraser ist Mitglied in der australischen Verwertungsgesellschaft APRA. Und Andreas Weiss von der Band „The Rabid Whole“ in der kanadischen Verwertungsgesellschaft SOCAN. Ach ja, und die Band Xylos wird bei Lizenzanfragen von der Universal Music Group vertreten. Wahrscheinlich sind die auch alle Mitglieder in irgendeiner Scheiß Verwertungsgesellschaft.

Bruno, ist ja auch nicht so schlimm. Du bist ja selbst Mitglied der Gema. Daher bist du ja auch so qualifiziert, für die Piraten über das Urheberrecht und über Verwertungsgesellschaften zu sprechen: du kennst quasi das System von innen, aus erster Hand. Das hast du schön in deiner Kolumnen-Ankündigung beschrieben: wie du in den 80er Jahren von irgendeinem Musikverlag verarscht wurdest und wie du in der Folge darum gekämpft hast, deine Musik aus den Fängen der Gema und der Musikverlage zu befreien. Darum hat es mich schon gewundert, dass die wichtigsten Alben deiner Band „Das Ich“ (genauer „Morgue“ 1998, „Anti‘ Christ“ 2002, „Relikt“ 2003, „Lava“ 2004, „Cabaret“ 2006 und „Kannibale“ 2008) bei Banshee Publishing verlegt werden, welches eine Verlagsedition des Major-Verlags Universal Publishing ist. Bruno, warum bist du eigentlich bei einem Major-Verlag? Wenn du nachschauen magst: das kann man sogar in der Datenbank der ASCAP recherchieren.

Bruno, ich weiß, du hast es 1998 mit „Das Ich“ mal bei dem damaligen Major-Label Motor-Music versucht, aber irgendwie wollten die euch bald nicht mehr haben. Ich kann verstehen, dass man da sauer ist. Aber warum hast du nicht gleich einen großen Bogen um die ganze Musikindustrie gemacht? Naja, Bruno, ich wollte mir jedenfalls ein paar Stücke von „Das Ich“ anhören und dachte mir, bevor ich das auf deinem Label „Danse Macabre“ kaufe und damit indirekt die Contentmafia unterstütze, hole ich mir ein paar Tracks in einer Tauschbörse. Bruno, das ist gar nicht so einfach, musst du wissen. Die Torrents deiner Einzelalben haben alle keine Seeder mehr, ich musste dann schon einen 1,5 GB großen Torrent mit eurer gesamten Diskographie herunterladen, um mal einen Track hören zu können. Das hat trotz DSL-Leitung fast drei Stunden gedauert, weil es nur ein paar Die-Hart-Seeder gab.

Bruno, immerhin brauche ich jetzt kein Album mehr von dir auf deinem Label kaufen. Lieber fördere ich mit dem Torrent die Infrastruktur von Pirate Bay, die haben ja ganz viel Werbung um die Suchergebnisse geschaltet und müssen ja auch irgendwie ihre Serverkosten einspielen. Ich nehme an, dass ist auch in etwa das, was ihr Piraten euch unter privatem Filesharing vorstellt. Finde ich eine klasse Sache. Und Bruno, da du bei den Grünen ja nie so richtig einen Stich bekommen hast und jetzt total fame bist bei den Piraten: warum nutzt du nicht deine neu gewonnene Popularität für eine krasse Crowdfunding-Action oder verschenkst die Tracks deiner Band – weil dann gewinnst du das kostbarste Gut, dass es im Netz zu erlangen gibt, nämlich Aufmerksamkeit. Und dadurch gehen bestimmt auch automatisch die Verkäufe auf deinem Label wieder in die Höhe und es wird vielleicht ein paar mehr Seeder geben, damit das Saugen nicht noch einmal so lange dauert.