Der Musikpartisane

Wir sind Musik. Wir sind Legion. Wir sind du. Wir sind nicht anonym. Rechnet mit uns.

Monat: August, 2012

Mit Jeanny Google Hofmann zu den Wurzeln einer Kunstrasenbewegung

Muss ich hier noch irgendjemanden erklären, was Astroturfing ist? Für alle Honks, die es noch nicht kapiert haben: ein Kunstrasen wird von großen Firmen oder politischen Organisationen ausgelegt, um eine Graswurzelbewegung vorzutäuschen, die sich auf wundersame Weise für die Interessen der Auftraggeber einsetzt. Dieser Kunstrasen kann verschiedene Formen annehmen: als 50-Cent-Partei gekaufter Kommentatoren, als geturfte Leserbriefschreiber und Blogger, oder aber als akademische Avantgarde, der Forschungsbudgets oder gleich ein ganzes Institut zur Hand gegeben wird, um Studien zu finanzieren, die gewissen Unternehmen Argumentationsmaterial liefern. Unternehmen wie Google zum Beispiel. Google finanziert das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin über drei Jahre mit 4,5 Millionen Euro. Laut den Aussagen einer der Direktorinnen, Jeanette Hofmann, ist in Zusammenarbeit mit dem Berkman-Center an der US-Universität Harvard ein internationales Netzwerk von Internet­-Forschungs­instituten geplant, das im Dezember mit einer ersten Konferenz starten soll. Wait, wait, das Berkman-Center kennen wir doch irgendwo her. Steht das nicht auch auf der langen Liste bezahlter Institutionen und Einzelpersonen, die durch Google mit Dollars zugeschissen werden? 255.000 Dollar sollen im Jahr 2010 und 700.000 Dollar im Jahr 2011 geflossen sein – nicht gerade viel für ein Institut,  dessen Akademiker sich für eine Aufweichung des Urheberrechts einsetzen und wenig Interesse an Fragen zur Privatsphäre im digitalen Raum haben – zwei für Googles Geschäftsmodell zentrale Themen. Ein Teil des Geldes fließt übrigens in die Webseite Chilling Effects, auf der berechtigte Anfragen von Rechteinhabern gegenüber Google, unautorisierte Download-Seiten aus den Suchergebnissen zu entfernen, als eine Bedrohung für die Redefreiheit präsentiert werden.

Aber was soll das ganze Mimimi: Lobbying gab es schon immer und sein zweiter Vorname ist Politik. Das feine Handwerk des Kunstrasenauslegens besteht darin, ein Agenda-Setting der subtilen Art stattfinden zu lassen. Google schwärmt in blumigen Worten von Alexander von Humboldt und sagt, was es sich von den Forschern in Berlin verspricht:

Als Teil des Internets interessiert sich Google sehr für diese neuen Formen der Zusammenarbeit. Deshalb möchten wir die Interaktion zwischen Internet, Wissenschaft und Gesellschaft besser verstehen. Wir benötigen dazu die Hilfe von wissenschaftlichen Experten, die uns mit ihren Methoden und ihrem Wissen bei der Analyse und der Suche nach Lösungen unterstützen.

Schaut man auf die Forschungsschwerpunkte, fallen die deutlichen Übereinstimmungen mit Googles Geschäftsinteressen auf: „Open Science“ und „Crowd Sourcing“, die Kommunikation in sozialen Netzwerken, der Einzug von Algorithmen in den Journalismus oder etwa bei Jeanette Hofmann die innovationsbremsende Wirkung von Urheberrechten, zu der es ihrer Meinung nach an empirischer Forschung mangelt. Man muss dazu wissen, dass Jeanette Hofmann durchaus eine moderate Kritikerin des Google-Books-Settlements war (etwa hier oder hier). Umarme deine Kritiker, und irgendwann fressen sie dir aus der Hand.

Was denkt also Jeanette Hofmann über das Urheberrecht? Krönungsbedürftig ist ein langes Interview, dass sie gemeinsam mit einem weiteren Schoßhündchen Googles, Matthias Spielkamp, dem Journalisten Philip Banse in der Sendung Breitband von Deutschlandradio Kultur gab. Banse selber hatte noch im letzten Jahr zu Recht die Versäumnisse der deutschen Hochschulen im Bereich der Internet-Forschung kritisiert und dabei auch harsche Worte für die Forscher am Google-Institut gefunden:

Nie wird Google irgendwas unterdrücken wollen – das passiert von ganz alleine, weil sich die Forscher fragen werden, wie sehr sie den Geldstrom gefährden wollen, der sie komplett finanziert: Ist wirklich nötig, Google schon im Titel der Studie anzugreifen? Kritisieren, klar das machen wir, aber reicht´s nicht vielleicht auch im letzten Kapitel? Und das Fatale ist: Selbst, wenn es den Wissenschaftlern gelingt, sich so zu entscheiden, als wäre es nicht ihr Geldgeber, den sie anpinklen: Den Verdacht der Befangenheit werden sie nicht los.

Schleierhaft ist, warum Banse so handzahm im Gespräch mit den beiden Google-Verstehern daher kommt und sich zum Stichwortgeber für deren Thesen degradiert. Jeanny Google Hofmann ist immerhin Dauergast in der Sendung und ihr Institut auch Medienpartner von Diskurs@Dradio, aber man will ja nix sagen… Also Popcorn raus und Video an für ein paar Zaubertricks der bezaubernden Jeanny:

Der erste Anspieltipp des Musikpartisanen ist bei 14:18 min. O-Ton Jeanny Google Hofmann:

„Es ist gar nicht ganz klar, ob es das Urheberrecht tatsächlich braucht. Wenn ich keine Rechte an meinem Werk hätte und ich würde jetzt zu einem Verleger gehen und sagen: hier ist mein schönes Manuskript, willst du es drucken, dafür möchte ich aber dann gerne etwas Geld sehen? Dann würde ein einfacher Vertrag vermutlich genau das erreichen, was das Urheberrecht auch intendiert.“

Wow wow, ich dachte immer, die Künstler sollen im Netz ihre Werke umsonst anbieten, damit sie mit Hilfe von Google gefunden werden und in der dann einsetzenden Aufmerksamkeitsspirale zu grenzenlosen Geldflüssen gelangen. Aber die zauberhafte Jeanny hat da ein ganz anderes Konzept: als Künstler wäre man ja so klug, sein Werk nicht im Internet zu verbreiten, bevor man ein Tauschgeschäft mit dem Verwerter eingeht. Der kann dann in der Folge damit machen was er will. Das Urheberrecht brauchen wir da gar nicht. [Augenblinzeln und Verschränk-die-Arme-Geste plus magisches Pling-Geräusch]

Der zweite Anspieltipp beginnt bei 17:20 min., dort antwortet sie auf die Frage, warum die Gesellschaft ein Recht auf die Werke von Künstlern habe:

„Da gibt es verschiedene Begründungen. Eine Begründung ist sicherlich, dass alle kulturellen Werke kumulativ sind. Dass heißt, Künstler starten nicht bei null, sondern die beziehen sich immer auf das, was vorher schon geschaffen worden ist. Und damit stellt sich dann die Frage: wie zugänglich eigentlich unser kulturelles Erbe ist. Und je stärker es geschützt ist und Ausschließlichkeitsrechte den Zugang erschweren, desto schwieriger ist es natürlich auch, Neues zu schaffen. Insofern hat die Gesellschaft ein Interesse daran, dass kulturelle Werke zugänglich sind, damit sie auch lernen kann und weiter Neues schaffen kann.“

Postmoderne, ick hör dir trapsen. Wir Künstler praktizieren ja eigentlich nichts anderes als ein adaptives Rekombinieren von kulturellen Fragmenten. Wie können wir es wagen, der Gesellschaft etwas vorzuenthalten, was wir uns aus dem kulturellen Erbe eben dieser Gesellschaft bereits mutwillig entnommen haben? Wenn wir als Urheber den Zugang zu unseren Werken erschweren, dann sind wir die allermiesesten Innovationsbremsen, weil ja auch die nachfolgende Generation unsere Werke kumulativ rekombinieren möchte. Also weg mit den Schutzfristen, am besten auch gleich mit den Preisschildern an unseren Werken, denn die erschweren den Zugang noch am meisten – in the name of Interessenausgleich!  [Augenblinzeln und Verschränk-die-Arme-Geste plus magisches Pling-Geräusch zum Zweiten]

Und das ist das Herz dieser Kunstrasenbewegung: konstruiere einen dringend notwendigen Bedarf an einem Interessenausgleich zwischen Urhebern und Gesellschaft. Forsche und publiziere, um diesen Interessenkonflikt akademisch zu unterfüttern. Trage die Ergebnisse in die öffentliche Diskussion. Warte, wie sich die gesellschaftliche Meinung ändert. Das ist die sonnengewandte Seite des Kunstrasens. Ersetzte in der Gleichung den Begriff Gesellschaft durch Google, und du erkennst, welches die Wurzel der Kunstrasenbewegung ist.

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Hey GEMA!

Hey GEMA, hier spricht Christian Freiherr von Stetten. Ich hatte Euch ja schon im Juni gewarnt, mit Eurer unsäglichen Tarifreform endlich Schluss zu machen. Aber da Ihr die Frechheit hattet, euch mit dem Bund Deutscher Karneval zu einigen und damit meine Buddies im DEHOGA unnötig unter Druck zu setzen, sag ich es Euch noch mal ganz unmissverständlich: wenn Ihr Eure mafiösen Methoden nicht ändert, werden wir gesetzgeberisch tätig werden! Damit Ihr mich richtig versteht: mit Mafia kenne ich mich aus, ich hab ein paar Homies im Berliner Mhallami-Clan auf meiner Seite, mit denen ich auch manchmal Geschäfte mache. Und in Urheberrechtsachen berät mich Bushido, der sich da gut auskennt. Überhaupt: an Bushido solltet Ihr Euch mal ein Beispiel nehmen, wie man mit ehrlicher Arbeit zum Millionär wird. Und das trotz Urheberrechte! Wie oft wurde er verklagt von irgendwelchen Bands, die erst durch ihn richtig bekannt wurden: Arcana, Lacrimosa, Sopor Aeternus, Yoko Kanno, Dark Sanctuary – mal ehrlich, wer hat diese ganzen Vampir-Bands vorher gekannt. Heute leben sie von den Tantiemen, die Bushido ihnen auf ihr Konto spült. Und er geht leer aus. Verständlich, dass man die entstanden Verluste mit Abmahnungen auszugleichen versucht. Aber auch da hat Bushido bewiesen, wie sozial er denkt: allen Abgemahnten bot er einen Rabatt an. Daran könnte sich die GEMA mit ihrer asozialen Tarifreform mal ein Beispiel nehmen!

Junge Unternehmer wie Bushido gehören in die Politik. Mit ihnen können wir die miefigen Amtsstuben der Verwertungsgesellschaften durchlüften und dem Urheberrechtswahnsinn ein Ende bereiten. Deswegen setzen wir von der CDU uns für transformative Werknutzungen ein: damit junge Unternehmer wie Bushido nicht weiterhin in ihrer Kreativität durch steinzeitliche Urheberrechtsgesetze behindert werden. Bushido hat jetzt sein erstes Praktikum im Bundestag absolviert und ich muss sagen: er hat sich großartig geschlagen! Vielleicht kann ich ihm als nächstes ein Praktikum bei Allianz Global Investors verschaffen, wo er dann seinen finanziellen Spürsinn schärfen kann – immerhin verfügen wir über eine Bilanzsumme von 3665 Milliarden Euro. Ich bin da im Aufsichtsrat, ich weiß, wovon ich spreche. Ich gebe zu, Bushido hat einen nicht ganz so guten Ruf wegen seiner kriminellen Vergangenheit, aber: hey, ich habe mit meiner Eventfirma auch ein paar Deals mit seinen Clan-Freunden gemacht, die sich in Kreuzberg immer in der Katzbachstr. treffen und ich muss sagen, das sind schon ganz korrekte Geschäftsleute. Adnan vor allem, ein guter Kumpel von Bushido. Der ist zwar vorbestraft, aber das mit der Geldwäsche mit Hilfe von ein paar Paletten Energydrinks hat immer gut funktioniert. Mal ganz ehrlich: was sind schon 37000 Euro? Und diesen linken Zecken von Spiegel TV, die uns die ganze Zeit nachstellen, werden wir auch noch eins einschenken. Meine Bros in Baden-Würtenberg haben schon mal angesagt, wo es eine hingibt, wenn die so weitermachen. Respekt!

Überhaupt Baden-Würtenberg: unser Nachwuchs von der Jungen Union vor Ort hat es auf den Punkt gebracht mit ihrer tollen Hey-GEMA-Kampagne und Euch als genau das bloßgestellt, was Ihr wirklich seid: schmierige Schutzgeld-Erpresser! Übrigens großartiges Casting im Anti-GEMA-Video: der hakennasige GEMA-Geldeintreiber war ein richtiger Popcorn-Moment! Hat meine Atzen vom Mhallami-Clan an „Tal der Wölfe“ erinnert – ich meine: Amerika hat Goldman-Sachs, Deutschland die GEMA, oder? Und wenn Ihr GEMA-Verteidiger nicht endlich aufhört, die Facebook-Page der Hey-GEMA-Kampagne mit Euren Hass-Kommentaren zuzuspammen, werden wir Euch alle doxxen und ich werde Euch meine Homeboys aus Berlin vor die Tür schicken!