Bist du Prosument, oder was?

von dermusikpartisane

Du bist es. Alleine an deinem Laptop. In jeder freien Sekunde auf der Suche nach Leuten, die deine Pussytronica interessant finden könnten. Du warst die Pest auf MySpace. Jetzt bist du die kalte Freundschaftsanfrage auf Facebook, die narzisstische Ich-Hupe auf Twitter, der Trend-Scheißer und Klick-Bettler, der nach den 7 goldenen SocialMediaSelfPromotionRegeln lebt, jede Woche die Mailfächer zuspammt und für sein nächstes DJ-Set in irgendeiner verranzten Hipster-Galerie trommelt, in der besoffene Berlin-Touris ihr Bio-Bier auf seinen geliehenen MK2 ausschütten werden.

Du bist es: der Prosument. Schwer durchdrungen vom Gefühl deiner Bedeutsamkeit, abgefedert von staatlicher Alimente und Muttis monatlicher Überweisung, träumst du von einem Künstlerleben, das dir endlich die schon lang zustehende Anerkennung schenkt. Beseelt von dem Gefühl: „das kann ich ja auch“, hast du dich von der DemokratisierungsFolklore der Netzutopisten aufstacheln lassen. Anstelle eines eigenen Gedankens ist bei dir alles schon gedacht, alles schon da gewesen, alles schon gelebt. Hast geglaubt, dass es keine Originalität gibt. Dass du etwas Neues aus Zitaten und Kopien zusammenschustern kannst. Du wolltest schon immer den kürzesten Weg gehen. Jetzt verstopft dein aufgewärmter Referenz-Scheiß und deine parasitäre Pseudo-Kreativität jede Timeline. Remix ist die neue Volkskunst und jeder ein Künstler. Ja, genau! Aber hast du dich schon mal gefragt, warum dein User Generated Content den langsamen Tod des Vergessens stirbt? Warum deine Garageband-Tracks im Long Tail von Soundcloud ungehört verhallen? Weil auch du die alte 90-9-1-Regel nicht außer Kraft setzen kannst. Weil das Netz ein noch viel konzentrierterer Ort ist als die schöne, alte Kohlenstoffwelt. The rich get richter ist nirgendwo wahrer als im Netz. Sieht so die digitale Emanzipation aus?

Du bist es, der Prosument, der das Netz mit seinen Mashups zusenft. Du bist es, der Kurator, der glaubt, sein unfehlbarer Geschmack wäre wichtiger als jedes Kunstwerk. Du bist es, der Amateur, der seine Ableton-Preset-Sounds als heißen Scheiß verkauft. Aber wir sind Profis. Wir machen das viel länger als du. Wir haben das gelernt. Und wenn wir das nicht gelernt haben, dann haben wir unser ganzes Leben damit verbracht, in dem gut zu werden, was wir machen. Wir sind gut, weil wir Talent haben. Wir sind gut, weil wir Ausdauer haben, weil wir Opfer gebracht haben. Wir haben jahrelang auf Flightcases gepennt und in Autobahnraststätten geduscht. Wir haben Tonleitern geübt, während du dich vor deinem Compi zugekifft hast. Und jetzt glaubst du Kellerkind, uns etwas über unser Business erzählen zu können?

Du bist es, der Prosument, der nützliche Idiot. Du kletterst die Partizipationsleiter herauf, um deinen Idolen ein Stückchen näher zu kommen. Auch du willst ein Publikum, einen Teil der Aufmerksamkeit, ein bisschen Anerkennung für dein Handwerk der Reproduktion. Es hilft, den Autor als widerkäuende Zitatmaschine zu denunzieren, das hält den Grützel in dir klein, der du in Wirklichkeit bist. Denn in Wirklichkeit produzierst du Datenmüll für Venture Capital aus Silicon Valley, das seinen Shareholder Value mit jeder deiner transformativen Werknutzungen in die Höhe treibt. Mit jedem Remix-Contest, an dem du teilnimmst, wirst du zu einem Teil der Medienindustrie, die du durch deine freiwillige Mitarbeit in ihrer Banalität nur verstärkst. Und mit jedem Upload von Fan Labor klingeln die Kassen der digitalen Infrastrukturanbieter, die nebenbei das Lied von der Innovationsfeindlichkeit der Urheberrechte singen, denn – schaut doch: es gibt genug Leute, die kostenlos Inhalte ohne monetäre Anreize verbreiten. Das ist sie also, die digitale Emanzipation: Laue Affirmation von Mainstream statt revoltierender Dissonanz. Bist du Prosument, oder was? Geh mal spielen!