We promise, we deliver!

von dermusikpartisane

Der Musikpartisane hat sich eingepinkelt. Ja, mal ehrlich, bei den Neuigkeiten konnte er nicht mehr an sich halten: endlich ist es möglich, Musiker direkt mit einer Spende zu bezahlen! Keine Verwerter mehr im Weg, keine Labels und Verlage, die die Kohle nur in ihre eigenen Taschen stopfen. Du hörst Musik und das Geld fließt direkt an die Künstler. Und das geht so:

Zuerst braucht es einen knusprigen Musik-Streamingdienst. So Industrie-Sockenpuppen wie Spotify kommen gar nicht erst in Frage: an denen halten alle Major-Labels Anteile, und diesen Banditen wollen wir ja nicht unser Geld hinterher schmeißen. Also nehmen wir Grooveshark. Die haben gar nicht erst irgendwelche Deals mit der Musikmafia gemacht, sondern sich die Musik einfach genommen. Oder besser noch: den Upload ihren Usern überlassen (nachdem die Manager und Mitarbeiter von Grooveshark am Anfang selber einen Grundkatalog auf die Seite hochgeladen hatten). Das ist sehr geschickt, weil man sich so der lächerlichen Klagen der Content-Taliban entledigen kann: es ist ja nicht die Schuld von Grooveshark, dass all die illegale Musik auf der Plattform rumgammelt. Und wenn einer der Rechte-Dschihadisten eine Take-Down-Notice schickt und man mit tibetischer Latenz darauf reagiert, wird bestimmt ein fleißiger User die Lücke im Katalog flugs wieder schließen. Das macht man für ein paar Jahre, lässt sich Werbebanner neben der Musik königlich bezahlen, um die Server auf Betriebstemperatur zu halten, und wenn man sich dann irgendwann mit 35 Millionen Usern der weltweit größte Musik-Streamingdienst nennen darf, dann werden die Loser von der Musikindustrie schon angekrochen kommen, um an die Userdaten zu kommen. So Youtube-Style, you know? Und wenn solche Omegas wie Jeff Price von Tunecore rumheulen, dass die Honks von der Musikindustrie im Vergleich zu den Content-Cowboys von Grooveshark Heilige wären, dann muss man irgendetwas richtig gemacht haben. Alle vier Majors haben Grooveshark verklagt, und auch die Arschkrapfen von Facebook, Google und Apple haben die Grooveshark-Apps von ihren Diensten genommen. Sollte es also einen Ort im Netz geben, wo die Musik noch wirklich befreit ist, dann hier.

Als nächstes braucht es einen Online-Dienst, der unsere Spenden direkt an die Künstler weiterleitet. Einen Dienst, der Musik wirklich liebt. Wo wären wir da besser aufgehoben als bei Flattr, einem Dienst, der vom ehemaligen Pirate-Bay-Sprecher Peter Sunde ins Leben gerufen wurde. Peter Sunde ist über jeden Zweifel erhaben. Denn auch er hat verdammt viel Ärger mit der dunklen Macht der Copyright-Krieger. Gemeinsam mit Fredrik Neij, Gottfried Svartholm und Carl Lundström von The Pirate Bay wurde er in Schweden zu einem Jahr Gefängnis und einer Strafe in Millionenhöhe verurteilt (das Urteil ist noch nicht in Kraft getreten). Und warum das ganze? Weil Carl Lundström mehrere Nazi-Organisationen finanziell unterstützt hat neben seiner Anfangsinvestition in The Pirate Bay, ohne die das P2P-Netzwerk gar nicht erst entstanden wäre? Oder weil Peter Sunde über Firmen wie Random Media oder Eastpoint Media mehr als 100.000 € monatlich durch Werbebanner in die Kassen von The Pirate Bay dirigierte? Wohl kaum. Es ist der ausgestreckte Mittelfinger, den Peter Sunde der Musik-Camorra entgegen streckt, was ihn zum Ziel der Attacken macht. Sätze wie diesen, den er der BBC ins Mikro diktierte:

If I want it, I take it, ‚cause I can. It might be [im]moral to some people but I think it’s up to me to decide.

Deswegen ist Peter Sunde über jeden Zweifel erhaben: er wird sich nicht dem Druck der Musikindustrie beugen und dafür kämpfen, dass Künstler direkt von ihren Fans bezahlt werden können. Darum hat er Flattr gegründet. Und darum arbeitet Flattr nun mit Grooveshark zusammen.

Die Idee ist so einfach wie genial: durch das „Listen and Flattr“-Feature in Grooveshark bekommt der Künstler bei jedem Abspielen seiner Tracks einen Obulus vom Flattr-Konto des Nutzers. Flattr behält 10% der Ausschüttungen für sich ein, 90% gehen direkt an den Künstler. Vergleicht man das mit den Beträge, die die Geldsäcke von den Labels üblicherweise einstecken, ist das ein Killer-Deal! Fragt sich nur, wie die Flattr-Spenden den Künstlern zugeordnet werden.

Hier kommt Musicbrainz ins Spiel: der Service ist ein ID-System für Musik und in diesem Fall die Brücke zwischen Grooveshark und Flattr. Musicbrainz ist so etwas wie ein Wikipedia für Musik. Und da man völlig unabhängig von den Kriegern der Musikindustrie sein will, hat man die Metabrainz Foundation gegründet, um das Projekt zu finanzieren. Google hat die Stiftung übrigens mit über 200.000 $ unterstützt – thumbs up nach Mountain View! Im Verwaltungsrat der Metabrainz Foundation sitzen ein paar alte kampferprobte Haudegen, die schon so einige Copyfights ausgefochten haben. Neben Carol Smith von Google schicken wir ein High Five an Cory Doctorow, der in seinem neuesten Roman „Pirate Cinema“ so glasklar der Contentmafia in den Arsch tritt, dass selbst Weicheier wie Matthew Belinkie zur Gegenseite überlaufen. Und fehlen darf natürlich nicht unser Allmende-Godfather Lawrence Lessig, der auch hier für den freien Zugang zu Informationen kämpft.

Nun also, wo die eingepinkelte Hose des Musikpartisanen fast schon wieder trocken ist, bleibt nur eine Frage offen: was passiert mit all dem Geld, dass nicht einem Urheber zugeordnet werden kann, weil er oder sie keinen Flattr-Account hat? Auch dafür hat Flattr eine tolle Lösung: die ausstehenden flattrs werden gespeichert, bis sich die Musiker anmelden und ein Konto eröffnen. Das würde auch dem dahindümpelnden Service helfen, endlich auf die Beine zu kommen: Musiker aller Länder, meldet euch bei Flattr an, sonst geht euch Bares flöten! Und es würde darüber hinaus unserem Freund Peter Sunde helfen, seine anstehende Geldstrafe bezahlen zu können. Grooveshark, Flattr und Musicbrainz: hier wird Musik geliebt und der Musiker direkt bezahlt. No tricks, no magic! Das wissen auch die Jubelperser aus der deutschen Blogszene wie Martin Weigert oder Marcel Weiss, deren feuchte IT-Träume bei solchen Szenarien wahr werden.

Das nächste Mal wird der Musikpartisane übrigens seine Hose nass machen, wenn Kim Schmitz am 20. Januar 2013 sein neustes Projekt „Mega“ vorstellen wird: ein Download-Service, der von keiner Musikindustrie der Welt mehr abgeschossen werden kann. Charles Graeber hat für Wired schon mal ein wenig darüber berichtet, was für ein Nice Guy der Kim Schmitz eigentlich ist. Das hat Herrn Kimble so gut gefallen, dass er es sogar auf seiner Seite verlinkt hat. We promise, we deliver. Take us to the next level, Kim!